Deutschland ist arm!

Rang 30 beim Vermögen. Rang 2 beim Kassieren.

Deutschland wird nicht zufällig vermögensarm. Der Staat nimmt der arbeitenden Mitte das Geld, mit dem sie Eigentum, Rücklagen und Altersvorsorge aufbauen müsste.

Medianvermögen im internationalen Vergleich: Deutschland auf Rang 30

Was die Grafik zeigt: Deutschland erreicht beim Medianvermögen je Erwachsenem nur 53.485 US-Dollar. Luxemburg liegt bei 394.005 US-Dollar, Belgien bei 277.166 US-Dollar. Selbst Griechenland liegt vor Deutschland. Quelle: UBS Global Wealth Report 2026.

Deutschland ist eine der größten Volkswirtschaften der Welt. Aber der Bürger in der Mitte besitzt weniger als der Bürger in zahlreichen kleineren und wirtschaftlich schwächeren Ländern. Gleichzeitig gehört Deutschland bei der Belastung von Arbeit zur Weltspitze.

Das ist kein Randproblem. Das ist das Ergebnis einer falschen Politik.

Arbeiter, Angestellte, Selbstständige und Unternehmer erwirtschaften das Geld. Der Staat greift zu. Einkommensteuer. Sozialbeiträge. Verbrauchsteuern. Energiesteuern. Abgaben. Gebühren. Umlagen. Und nun werden bereits die nächsten Belastungen vorbereitet.

Der Bürger soll trotzdem privat vorsorgen. Er soll Rücklagen bilden. Er soll Eigentum kaufen. Er soll für Pflege und Alter sparen. Er soll konsumieren und damit die Wirtschaft tragen.

Nur wovon?

Der Taler ist nur einmal da. Was der Staat nimmt, kann der Bürger nicht mehr sparen, investieren oder ausgeben.

Was bedeutet Median?

Der Median ist der Wert genau in der Mitte.

Man stellt 100 Erwachsene nach ihrem Nettovermögen in eine Reihe. 50 besitzen weniger. 50 besitzen mehr. Der Mensch auf Position 50 beziehungsweise 51 markiert die Mitte.

Zum Nettovermögen zählen Bankguthaben, Wertpapiere, Immobilienanteile und andere Vermögenswerte. Schulden werden abgezogen.

BeispielWert
Eigener Anteil an einer Immobilie180.000 €
Bankguthaben und Wertpapiere30.000 €
Private kapitalgedeckte Vorsorge20.000 €
Restschuld auf die Immobilie−160.000 €
Weitere Schulden−10.000 €
Nettovermögen60.000 €

Der Median zeigt deshalb viel mehr als ein aufgeblähter Durchschnitt. Einzelne Milliardäre können den Median nicht nach oben ziehen.

Der Durchschnitt zeigt, wie viel insgesamt vorhanden ist. Der Median zeigt, was beim normalen Bürger in der Mitte tatsächlich angekommen ist.

Die Rangliste: Deutschland ganz unten

RangLandMedianvermögen je Erwachsenem
1Luxemburg394.005 $
2Belgien277.166 $
3Australien210.783 $
4Neuseeland206.617 $
5Dänemark203.771 $
6Hongkong187.968 $
7Kanada147.811 $
8Schweiz145.555 $
9Norwegen140.003 $
10Japan135.745 $
11Italien131.001 $
12Niederlande127.407 $
13Großbritannien125.335 $
14Frankreich121.898 $
15Malta114.033 $
16Taiwan113.137 $
17Spanien111.575 $
18Südkorea101.739 $
19Irland98.413 $
20Singapur96.434 $
21Katar95.499 $
22Finnland89.695 $
23Schweden84.039 $
24Israel83.843 $
25Slowenien81.366 $
26Portugal76.978 $
27Österreich71.378 $
28USA68.998 $
29Griechenland59.162 $
30Deutschland53.485 $

Luxemburg erreicht mehr als das Siebenfache des deutschen Medianvermögens. Belgien mehr als das Fünffache. Italien liegt bei mehr als dem Doppelten. Griechenland liegt ebenfalls vor Deutschland.

Deutschland ist reich an Wirtschaftsleistung. Aber die breite Mitte ist arm an frei verfügbarem Eigentum.

Rang 2 bei der Belastung von Arbeit

Nach der OECD liegt der deutsche Abgabenkeil für einen alleinstehenden Durchschnittsverdiener ohne Kinder bei rund 49,3 Prozent der gesamten Arbeitskosten. Nur Belgien liegt mit 52,5 Prozent noch höher.

Der Abgabenkeil umfasst Einkommensteuer sowie Arbeitnehmer- und Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung.

Der Arbeitgeber zahlt viel. Beim Arbeitnehmer kommt deutlich weniger an. Und aus dem Rest sollen Wohnung, Familie, Rücklagen und Altersvorsorge finanziert werden.

Die Bundesregierung plant zwar Entlastungen bei Grundfreibetrag, Kinderfreibetrag und Arbeitnehmerpauschbetrag. Gleichzeitig soll die Pauschalsteuer bei Minijobs von zwei auf fünf Prozent steigen. Die steuerliche Förderung von Handwerkerleistungen soll von 20 auf 15 Prozent sinken; der Höchstbetrag fällt von 1.200 auf 900 Euro.

Das ist keine grundlegende Entlastung der arbeitenden Mitte. Es ist ein Verschieben innerhalb eines ohnehin überlasteten Systems.

Beamte, Angestellte und Selbstständige: Median gegen Median

Auch beim Einkommen zeigt sich die Schere. Eine Auswertung der Bundesbank-Erhebung PHF 2021 weist folgende Median-Bruttojahreseinkommen aus:

ErwerbsgruppeMedian-BruttojahreseinkommenAbstand zu Angestellten
Beamte79.900 €+36,8 %
Angestellte58.400 €Vergleichswert
Selbstständige51.300 €−12,2 %

Datenhinweis: Diese Berufsgruppenwerte stammen aus einer Auswertung der PHF-Erhebung 2021. Sie sind eine datierte Median-Momentaufnahme und keine aktuelle amtliche Besoldungstabelle für 2026. Der aktuelle Medianverdienst aller Vollzeitbeschäftigten lag 2025 laut Destatis bei 54.066 Euro brutto.

Beim Beamten endet der Vergleich aber nicht beim Brutto.

Hinzu kommen ein besonderes Versorgungssystem, Beihilfe oder Heilfürsorge, Familienzuschläge und eine außergewöhnlich hohe Arbeitsplatzsicherheit. Beamte zahlen Einkommensteuer. Sie sind aber grundsätzlich nicht in derselben gesetzlichen Renten- und Arbeitslosenversicherung abgesichert wie Arbeiter und Angestellte.

Der Arbeitnehmer zahlt Beiträge für seine eigene Rente. Über seine Steuern finanziert er gleichzeitig staatliche Versorgungssysteme, in denen er selbst nicht versichert ist.

Die Leistungsträger der Privatwirtschaft tragen das Risiko. Der Staat garantiert seinen eigenen Statusbeschäftigten die Sicherheit.

Sechs Kinder: Der Baggerfahrer und der Beamte leben in zwei Welten

Vergleich von Kindergeld und Kindergeld plus Familienzuschlag für Beamte bei einem bis sechs Kindern

Wichtiger Hinweis zur Grafik: Das Kindergeld beträgt 2026 einheitlich 259 Euro pro Kind und Monat. Der Familienzuschlag für Beamte ist nicht bundesweit einheitlich. Er hängt unter anderem von Dienstherr, Bundesland, Besoldungsgruppe, Familienstand, Kinderzahl und teilweise Mietenstufe ab. Die Werte für fünf und sechs Kinder sind in der Grafik ausdrücklich nur zur Veranschaulichung fortgeführt.

Der Baggerfahrer mit sechs Kindern erhält 1.554 Euro Kindergeld im Monat. Der Beamte mit sechs Kindern erhält dasselbe Kindergeld. Zusätzlich kann er einen beamtenrechtlichen Familienzuschlag erhalten.

Der Kinderfreibetrag ändert daran nichts. Er beträgt 2026 einschließlich Betreuungs-, Erziehungs- und Ausbildungsfreibetrag 9.756 Euro pro Kind für beide Eltern zusammen. Er wird nicht zusätzlich zum Kindergeld als zweiter Geldbetrag ausgezahlt. Das Finanzamt prüft automatisch, ob Kindergeld oder Steuerfreibetrag günstiger ist.

Der Kinderfreibetrag gilt für Arbeiter, Angestellte, Selbstständige und Beamte. Der beamtenrechtliche Familienzuschlag dagegen nicht.

Der Baggerfahrer muss sechs Kinder aus seinem versteuerten und verbeitragten Einkommen versorgen. Der Beamte erhält neben Kindergeld und steuerlicher Berücksichtigung zusätzlich eine statusgebundene Familienleistung.

Genau deshalb gehört der Beitrag über den Polier beziehungsweise Baggerfahrer mit sechs Kindern zwingend in diese Debatte. Nicht die Kinder sind unterschiedlich viel wert. Der berufliche Status der Eltern entscheidet über zusätzliche Zahlungen.

Der Staat sagt: Für Deutschland fehlt das Geld

Für Schulen fehlt Geld. Für Straßen fehlt Geld. Für Kommunen fehlt Geld. Pflege, Krankenversicherung und Rente stehen unter Druck. Gleichzeitig bleibt Deutschland Nettozahler der Europäischen Union. Nach Berechnung der Bundesbank zahlte Deutschland 2024 rund 18 Milliarden Euro mehr in den EU-Haushalt ein, als es zurückerhielt.

Dazu kommen internationale Zuschüsse, Kredite, Garantien und Programme. Nicht jede Ausgabe ist ein Geschenk. Nicht jedes Projekt ist automatisch sinnlos. Aber jede Verpflichtung bindet Geld, Verwaltung oder Risiko.

Wenn im eigenen Land Brücken verfallen, Schulen kämpfen, Pflege unbezahlbar wird und Arbeitnehmer kaum noch Eigentum bilden können, muss jede Ausgabe im Ausland eine einfache Frage beantworten:

Was bringt sie dem deutschen Bürger, der sie finanziert?

Deutschland kann nicht dauerhaft die Welt mitfinanzieren und gleichzeitig seinen eigenen Bürgern erklären, sie müssten bei Rente, Pflege, Wohnen und Vorsorge selbst sehen, wie sie klarkommen.

So wird ein reiches Land vermögensarm

Deutschland nimmt einen großen Teil der Arbeitskosten weg, bevor das Geld überhaupt beim Bürger ankommt.

Dann steigen Mieten, Energie, Lebensmittel, Versicherungen und Mobilitätskosten.

Danach fordert derselbe Staat private Altersvorsorge, Eigenkapital für Wohneigentum und Rücklagen für Pflege.

Diese Rechnung kann nicht aufgehen.

Man kann dem Bürger nicht fast die Hälfte der Arbeitskosten entziehen und ihm anschließend vorwerfen, er habe zu wenig Vermögen aufgebaut.

Was jetzt geschehen muss

Arbeit muss deutlich und dauerhaft entlastet werden.

Der erste selbst genutzte Immobilienerwerb muss von Grunderwerbsteuer und unnötigen Nebenkosten entlastet werden.

Langfristiges Sparen und kapitalgedeckte Altersvorsorge müssen steuerlich belohnt werden.

Beamtenbesoldung, Beihilfe, Familienzuschläge und Pensionen müssen als vollständige Lebenszeitkosten offengelegt werden.

Familienförderung muss sich am Kind und am tatsächlichen Bedarf orientieren – nicht am beruflichen Status der Eltern.

Vor jeder neuen Steuer oder Beitragserhöhung müssen sämtliche staatlichen Ausgaben im In- und Ausland auf Nutzen, Wirkung und Priorität geprüft werden.

Arbeiter, Angestellte, Selbstständige, Unternehmer, Beamte und Politiker müssen langfristig in ein gemeinsames Alterssicherungssystem einbezogen werden.

Schluss: Platz 30 ist die Quittung

Deutschland wird nicht dadurch stark, dass der Staat immer mehr Geld einsammelt.

Deutschland wird stark, wenn seine Bürger Eigentum besitzen, Rücklagen bilden, Unternehmen aufbauen und im Alter nicht vom Wohlwollen einer Behörde abhängig sind.

Doch genau diese Freiheit wird immer weiter zerstört.

Rang 30 beim Medianvermögen. Rang 2 beim Kassieren. Ein höherer Einkommensmedian bei Beamten. Zusätzliche Familienzuschläge. Pension und Beihilfe. Gleichzeitig steigende Belastungen für die Menschen, die das Geld in der Privatwirtschaft erwirtschaften.

Arbeiter, Angestellte, Selbstständige und Unternehmer sind keine Melkkühe des Staates.

Wir brauchen unser Geld selbst.

Weiterführende Beiträge auf WOLA.blog

Noch ergänzen: Sobald der Beitrag über den Baggerfahrer beziehungsweise Polier mit sechs Kindern veröffentlicht ist, dessen endgültige URL hier als zusätzlicher Link einsetzen.

Quellen

ermany-remains-a-net-contributor-but-is-not-a-frontrunner-967704″ target=“_blank“ rel=“noopener“>Deutsche Bundesbank – Deutschlands Nettobeitrag zum EU-Haushalt 2024
  • Deutsche Bundesbank – PHF-Erhebung 2021
  • Redaktioneller Hinweis: Die Grafik zu den Familienleistungen veranschaulicht den Unterschied zwischen allgemeinem Kindergeld und einem zusätzlichen beamtenrechtlichen Familienzuschlag. Die konkrete Höhe des Familienzuschlags ist nicht bundesweit einheitlich. Die Berufsgruppen-Medianwerte sind eine datierte PHF-Auswertung und kein Vergleich identischer Berufe, Qualifikationen oder Dienstalter.

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