WOLA.blog · Politik & Klartext
Ein Pass ist kein Vorteilsausweis
Stade ist der Anlass. Die Staatsbürgerschaft ist die Grundsatzfrage.
Sechs Menschen sind in Stade erschossen worden.
Sechs Menschen, die offenbar im Rahmen ihrer Arbeit in einer Jugendhilfeeinrichtung und beim Jugendamt tätig waren. Nach bisherigem Stand wurde gegen den Tatverdächtigen Haftbefehl erlassen; die Staatsanwaltschaft bewertet die Tat als sechsfachen Mord. Medien berichten über einen 45-jährigen, in Deutschland geborenen Mann mit türkischen Wurzeln aus dem Raum Hannover. Als möglicher Hintergrund wird ein Sorgerechts- beziehungsweise Umgangsstreit genannt.
Quelle dazu: RND: Sechs Tote nach Schüssen in Stade – was wir wissen und was nicht
Dieser Fall ist zuerst eine menschliche Katastrophe.
Er ist kein Anlass für Pauschalurteile.
Er ist kein Beweis gegen eine ganze Gruppe.
Er ist kein Freibrief, Herkunft mit Schuld gleichzusetzen.
Aber Stade ist ein Anlass, eine Frage zu stellen, die Deutschland viel zu lange verdrängt:
Was ist uns die deutsche Staatsbürgerschaft eigentlich noch wert?
Der Anschluss an den ersten Beitrag: Der Wolf ist ein Verhalten
Dieser Beitrag steht bewusst im Anschluss an meinen vorherigen Text:
Wir haben unsere Kinder zu Lämmern erzogen – und Wölfe in unser Land gelassen
Dort steht ein Satz, der auch hier entscheidend ist:
Der Wolf ist kein Pass.
Der Wolf ist kein Geburtsort.
Der Wolf ist keine Hautfarbe.
Der Wolf ist keine Religion.
Der Wolf ist ein Verhalten.
Wer Menschen bedroht, Frauen missachtet, Behörden verachtet, Gewalt ausübt, Parallelordnungen lebt oder den Rechtsstaat nicht anerkennt, passt nicht zu dem, was Deutschland sein muss.
Das gilt für jeden.
Für Deutsche ohne Migrationsgeschichte.
Für Menschen mit Migrationsgeschichte.
Für Eingebürgerte.
Für Ausländer.
Für jeden, der hier lebt.
Der Maßstab darf nicht die Herkunft sein.
Der Maßstab muss das Verhalten sein.
Aber genau deshalb müssen wir endlich wieder über Staatsbürgerschaft sprechen.
Ich sage das als jemand, der viele Migranten kennt und schätzt
Ich sage das ausdrücklich auch deshalb so klar, weil ich selbst viele Menschen mit türkischer, albanischer, russischer und anderer Herkunft kenne und schätze.
Ich habe in meinem Leben viele Migranten kennengelernt, die fleißig, ehrlich, loyal, zuverlässig und korrekt sind. Menschen, die arbeiten, Familien ernähren, Steuern zahlen, sich anständig verhalten und längst Teil dieses Landes sind.
Diesen Menschen unterstelle ich gar nichts.
Im Gegenteil: Gerade weil viele Menschen mit Migrationsgeschichte korrekt in diesem Land leben, darf man die Grundsatzfrage nicht unterdrücken.
Es geht nicht um Misstrauen gegen Menschen.
Es geht um das Prinzip.
Ein Staat muss wissen, was seine Staatsbürgerschaft bedeutet.
Ein Staat muss wissen, wem er seine volle politische Zugehörigkeit gibt.
Ein Staat muss wissen, ob ein Pass nur ein zusätzlicher Vorteil ist — oder ein klares Bekenntnis.
Darum geht es.
Nicht um Herkunft.
Nicht um Abstammung.
Nicht um Namen.
Nicht um Religion.
Sondern um Staatsklarheit, Verantwortung und eindeutige Zugehörigkeit.
Die deutsche Staatsbürgerschaft ist kein Vorteilsausweis
Eine Staatsbürgerschaft ist mehr als ein Dokument.
Sie ist nicht nur ein Pass.
Sie ist nicht nur ein Verwaltungsakt.
Sie ist nicht nur ein Stück Papier mit Bundesadler.
Die deutsche Staatsbürgerschaft bedeutet Zugehörigkeit.
Sie bedeutet politische Teilhabe.
Sie bedeutet Schutz durch diesen Staat.
Sie bedeutet Rechte.
Sie bedeutet Mitbestimmung.
Sie bedeutet Verantwortung.
Und genau deshalb darf sie nicht behandelt werden wie ein Bonusprogramm.
Deutschland darf seine Staatsbürgerschaft nicht verramschen.
Sie darf kein zusätzlicher Vorteilsausweis sein, den man annimmt, weil er praktisch ist, weil er Schutz bietet, weil er Reisefreiheit bringt, weil er soziale Sicherheit bedeutet oder weil er politisch nützlich ist.
Wer Deutscher werden will, muss mehr tun, als einen Antrag auszufüllen.
Er muss sich bekennen.
Ein Pass. Ein klares Bekenntnis.
Ich erwarte von jedem Menschen, der deutscher Staatsbürger werden will, ein klares Bekenntnis zu Deutschland.
Ein Bekenntnis zum Grundgesetz.
Ein Bekenntnis zum Rechtsstaat.
Ein Bekenntnis zur deutschen Sprache.
Ein Bekenntnis zur Gleichberechtigung.
Ein Bekenntnis zur Demokratie.
Ein Bekenntnis zur Verantwortung gegenüber diesem Land.
Niemand wird gezwungen, Deutscher zu werden.
Wer Türke bleiben will, kann Türke bleiben.
Wer Syrer bleiben will, kann Syrer bleiben.
Wer Afghane bleiben will, kann Afghane bleiben.
Wer eine andere Staatsangehörigkeit behalten will, kann das tun.
Aber dann muss der deutsche Staat nicht automatisch zusätzlich die deutsche Staatsbürgerschaft vergeben.
Das ist der Punkt.
Es geht nicht darum, Menschen ihre Herkunft zu nehmen.
Es geht darum, die deutsche Staatsbürgerschaft nicht zu entwerten.
In Deutschland geboren heißt nicht automatisch deutsch
Auch an dieser Stelle müssen wir sauber bleiben.
In Deutschland geboren zu sein bedeutet nicht automatisch, deutscher Staatsbürger zu sein.
Nach den Informationen des Bundesinnenministeriums können Kinder ausländischer Eltern durch Geburt in Deutschland die deutsche Staatsangehörigkeit erwerben, aber nur unter bestimmten Voraussetzungen. Seit der Reform gilt: Mindestens ein Elternteil muss seit fünf Jahren rechtmäßig in Deutschland leben und ein unbefristetes Aufenthaltsrecht besitzen.
Quelle: Bundesinnenministerium: Erwerb der deutschen Staatsangehörigkeit durch Geburt in Deutschland
Das ist wichtig.
Denn gerade bei schweren Straftaten darf man nicht mit falschen Behauptungen arbeiten.
Wir müssen nicht behaupten, was nicht sicher belegt ist.
Wir müssen die größere Frage stellen:
Was bedeutet deutsche Staatsbürgerschaft überhaupt noch, wenn sie nicht mehr mit einem klaren Bekenntnis verbunden ist?
Doppelpass als Normalfall: Das ist der politische Fehler
Deutschland hat sich mit der Reform des Staatsangehörigkeitsrechts weiter in Richtung Mehrstaatigkeit bewegt. Die frühere Pflicht, sich in bestimmten Fällen später zwischen Staatsangehörigkeiten entscheiden zu müssen, ist weggefallen. Mehrstaatigkeit wird dadurch politisch und rechtlich deutlich stärker zum Normalfall.
Quelle: Bundesregierung: Modernisierung des Staatsangehörigkeitsrechts
Das mag juristisch geregelt sein.
Politisch bleibt die Grundsatzfrage trotzdem offen:
Wollen wir wirklich, dass der Doppelpass zum Normalfall wird?
Ich sage klar:
Nein.
Nicht als Regel.
Nicht als politisches Geschenk.
Nicht als Selbstverständlichkeit.
Denn Staatsbürgerschaft ist keine Rosinenpickerei.
Man kann sich nicht aus mehreren Staaten immer nur die Vorteile herausnehmen.
Hier Sozialstaat.
Hier Schutz.
Hier Pass.
Hier Rechte.
Hier Reisefreiheit.
Hier politische Teilhabe.
Aber wenn es um Pflichten geht, um Sprache, Integration, Verantwortung, Rechtsstaatstreue und klares Bekenntnis, dann wird ausgewichen.
Dieses Cherry-Picking muss enden.
Der Ernstfall: Wenn zwei Pässe plötzlich zwei Loyalitäten bedeuten
Es gibt noch einen Punkt, über den Deutschland viel zu wenig spricht.
Solange Frieden ist, klingt doppelte Staatsbürgerschaft für viele harmlos.
Ein Pass hier.
Ein Pass dort.
Familie hier.
Herkunft dort.
Rechte hier.
Wurzeln dort.
Aber ein Staat darf nicht nur in Friedenszeiten denken.
Ein Staat muss auch den Ernstfall denken.
Was passiert, wenn Deutschland eines Tages in einen schweren politischen oder militärischen Konflikt mit einem Staat gerät, dessen Staatsangehörigkeit ein Teil seiner Bürger zusätzlich besitzt?
Was passiert bei einem Konflikt mit Russland?
Was passiert bei einem Konflikt mit der Türkei?
Was passiert bei einem Konflikt mit einem anderen Staat, zu dem Menschen in Deutschland ebenfalls staatsrechtlich gehören?
Diese Fragen sind nicht angenehm.
Aber sie sind notwendig.
Und sie richten sich nicht gegen Russlanddeutsche.
Sie richten sich nicht gegen Türken.
Sie richten sich nicht gegen Albaner.
Sie richten sich nicht gegen Menschen mit ausländischen Wurzeln.
Viele Russlanddeutsche, die ich kennengelernt habe, waren patente, fleißige, korrekte Menschen. Viele Menschen mit türkischer, albanischer oder anderer Herkunft leben hier anständig, loyal und rechtsstaatlich.
Genau deshalb geht es nicht um Herkunft.
Es geht um Staatsklarheit.
Denn im Ernstfall kann ein Doppelpass mehr sein als ein zweites Reisedokument.
Er kann zu einem Loyalitätskonflikt werden.
Ein Mensch kann familiär mit einem Land verbunden sein.
Kulturell mit einem Land verbunden sein.
Sprachlich mit einem Land verbunden sein.
Das ist menschlich.
Aber staatsrechtlich muss klar sein, welchem Staat ein Bürger politisch und rechtlich zugeordnet ist.
Ein Staat braucht im Ernstfall Klarheit.
Klarheit darüber, wer zu ihm gehört.
Klarheit darüber, wer ihm verpflichtet ist.
Klarheit darüber, wer seine Ordnung trägt.
Klarheit darüber, wer im Konfliktfall nicht zwischen zwei Staaten zerrieben wird.
Deutschland darf diese Frage nicht erst stellen, wenn der Ernstfall eingetreten ist.
Dann ist es zu spät.
Staatsbürgerschaft ist kein Schönwetter-Thema.
Staatsbürgerschaft ist die Grundordnung eines Staates.
Das Recht kennt diesen Loyalitätskonflikt bereits
Auch das deutsche Recht kennt die Frage der Loyalität.
Artikel 16 des Grundgesetzes schützt die deutsche Staatsangehörigkeit: Sie darf nicht einfach entzogen werden; ein Verlust darf nur aufgrund eines Gesetzes eintreten und gegen den Willen des Betroffenen nur, wenn er dadurch nicht staatenlos wird.
Quelle: Grundgesetz Artikel 16
Gleichzeitig zeigt § 28 des Staatsangehörigkeitsgesetzes, dass der Gesetzgeber Loyalitätskonflikte durchaus kennt: Unter bestimmten Voraussetzungen kann ein Deutscher mit weiterer Staatsangehörigkeit die deutsche Staatsangehörigkeit verlieren, wenn er freiwillig in ausländische Streitkräfte oder vergleichbare bewaffnete Verbände eintritt oder sich an Kampfhandlungen einer terroristischen Vereinigung im Ausland beteiligt.
Quelle: Staatsangehörigkeitsgesetz § 28
Das zeigt:
Diese Frage ist nicht aus der Luft gegriffen.
Der Staat weiß, dass doppelte Zugehörigkeit im Ernstfall zu echten Konflikten führen kann.
Umso unverständlicher ist es, dass die Politik den Doppelpass immer weiter normalisiert, aber die Grundsatzfrage kaum offen stellt:
Wie viel eindeutige Zugehörigkeit braucht ein Staat?
Wehrpflicht, Doppelpass und der Eid auf dieses Land
Im Ernstfall wird aus Staatsbürgerschaft plötzlich mehr als ein Dokument.
Dann geht es nicht mehr nur um Reisefreiheit, Sozialstaat, Wahlrecht oder politische Teilhabe.
Dann geht es um Dienstpflicht.
Dann geht es um Verteidigung.
Dann geht es um die Frage, wer für dieses Land einsteht, wenn es ernst wird.
Nach deutschem Recht ist die Wehrpflicht im Grundgesetz angelegt. Artikel 12a Grundgesetz erlaubt, Männer vom vollendeten achtzehnten Lebensjahr an zum Dienst in den Streitkräften, im Bundesgrenzschutz oder in einem Zivilschutzverband zu verpflichten.
Quelle: Grundgesetz Artikel 12a
Das Wehrpflichtgesetz knüpft an die deutsche Staatsangehörigkeit an: Wehrpflichtig sind Männer, die Deutsche im Sinne des Grundgesetzes sind und die weiteren Voraussetzungen erfüllen.
Quelle: Wehrpflichtgesetz § 1
Das bedeutet:
Ein zweiter Pass ist kein automatischer Freibrief.
Wer Deutscher ist, kann sich nicht einfach dadurch aus der Verantwortung ziehen, dass er zusätzlich noch eine andere Staatsangehörigkeit besitzt.
Aber genau darin liegt das politische Problem.
Denn ein Staat sollte solche Loyalitätskonflikte gar nicht erst massenhaft erzeugen.
Wenn Deutschland in einen schweren Konflikt gerät, muss klar sein, wer staatsrechtlich zu Deutschland gehört.
Nicht halb.
Nicht doppelt.
Nicht nach Vorteilslage.
Nicht mit innerem Fluchtweg.
Sondern klar.
Ein deutscher Pass bedeutet nicht nur Rechte.
Er bedeutet auch Pflichten.
Er bedeutet Verantwortung.
Er bedeutet im Ernstfall auch die Pflicht, dieses Land zu schützen.
Ich habe meinen Wehrdienst geleistet.
Ich habe damals mein Gelöbnis gesprochen.
Und dieser Satz war kein leeres Ritual:
Ich gelobe, der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen.
Quelle: Soldatengesetz § 9
Genau dieser Satz zeigt, worum es geht.
Staatsbürgerschaft ist nicht nur Empfang.
Staatsbürgerschaft ist auch Verpflichtung.
Wer deutscher Staatsbürger sein will, muss wissen, dass dieser Pass im Ernstfall mehr bedeutet als Vorteile im Alltag.
Er bedeutet Bindung an dieses Land.
Er bedeutet Treue zu dieser Rechtsordnung.
Er bedeutet Verantwortung für das deutsche Volk, das Grundgesetz, die Freiheit und den Rechtsstaat.
Und deshalb ist der Doppelpass als Normalfall politisch falsch.
Nicht, weil jeder Doppelstaatler illoyal wäre.
Nicht, weil Menschen mit ausländischen Wurzeln schlechtere Bürger wären.
Sondern weil der Staat im Ernstfall keine Unklarheit gebrauchen kann.
Ein Staat kann im Frieden großzügig wirken.
Aber im Ernstfall braucht er Klarheit.
Wer gehört zu ihm?
Wer steht zu ihm?
Wer trägt ihn?
Wer verteidigt ihn?
Und wer will nur die Vorteile, aber nicht die volle Verantwortung?
Das ist die Frage, die die Politik endlich stellen muss.
Wer schwört eigentlich noch auf dieses Land?
Auch der Eid ist ein Thema, über das kaum noch gesprochen wird.
Soldaten leisten ihren Diensteid oder ihr feierliches Gelöbnis.
Beamtinnen und Beamte schwören, das Grundgesetz und die geltenden Gesetze zu wahren und ihre Amtspflichten gewissenhaft zu erfüllen.
Der Bundespräsident, der Bundeskanzler und die Bundesminister leisten einen Amtseid, in dem sie schwören, ihre Kraft dem Wohle des deutschen Volkes zu widmen, seinen Nutzen zu mehren, Schaden von ihm zu wenden, das Grundgesetz und die Gesetze zu wahren und zu verteidigen.
Quellen: Bundesbeamtengesetz § 64, Grundgesetz Artikel 56, Grundgesetz Artikel 64
Das sind starke Worte.
Aber was sind starke Worte wert, wenn die Politik selbst den Begriff der Staatsbürgerschaft immer weiter verwässert?
Was ist ein Eid wert, wenn gleichzeitig der deutsche Pass zum Zusatzdokument wird?
Was ist ein Bekenntnis wert, wenn es politisch nicht mehr eingefordert wird?
Ein Staat lebt nicht nur von Gesetzen.
Er lebt auch von Bindung.
Von Verantwortung.
Von Loyalität.
Von Menschen, die sagen:
Dieses Land ist nicht nur mein Aufenthaltsort.
Dieses Land ist meine politische Heimat.
Dieses Land ist meine Verantwortung.
Genau deshalb muss die deutsche Staatsbürgerschaft wieder Gewicht bekommen.
Nicht als Symbolpolitik.
Nicht als Ausgrenzung.
Nicht als Misstrauen gegen Menschen mit Migrationsgeschichte.
Sondern als klare staatliche Ordnung.
Der Blick ins Ausland: Deutschland muss den Doppelpass nicht zum Normalfall machen
Wer in Deutschland heute fordert, den Doppelpass wieder kritisch zu betrachten, wird schnell so hingestellt, als sei das rückständig, hart oder weltfremd.
Das stimmt nicht.
Ein Blick ins Ausland zeigt:
Die Welt ist bei der Staatsbürgerschaft keineswegs so beliebig, wie es die deutsche Politik inzwischen erscheinen lässt.
Innerhalb der Europäischen Union gibt es keine einheitliche Regel. Die EU-Bürgerschaft ersetzt die nationale Staatsangehörigkeit nicht, sondern kommt nur zusätzlich dazu. Wer Bürger der EU ist, ist das deshalb, weil er Bürger eines Mitgliedstaates ist. Die Frage, wer Staatsbürger wird und unter welchen Bedingungen, bleibt im Grundsatz Sache der einzelnen Staaten.
Quelle: EUR-Lex: EU citizenship
Und genau deshalb darf auch Deutschland diese Frage selbstbewusst stellen:
Wollen wir den Doppelpass wirklich als Normalfall?
Die Antwort muss nicht automatisch Ja lauten.
Österreich: deutlich strenger
Österreich ist deutlich strenger. Wer als Österreicher freiwillig eine fremde Staatsangehörigkeit annimmt, verliert grundsätzlich die österreichische Staatsangehörigkeit, wenn nicht vorher eine Beibehaltung ausdrücklich genehmigt wurde.
Quelle: Österreich.gv.at: Dual citizenship
Niederlande: Doppelstaatigkeit soll begrenzt werden
Die Niederlande verlangen bei Einbürgerungen grundsätzlich die Aufgabe der bisherigen Staatsangehörigkeit. Die niederländische Regierung formuliert offen, dass doppelte Nationalitäten möglichst begrenzt werden sollen, weil Rechte und Pflichten sonst unklar oder widersprüchlich werden können.
Quelle: Niederländische Einwanderungsbehörde IND: Renouncing your nationality
Frankreich, Italien, Schweiz: liberalere Modelle
Natürlich gibt es auch liberalere Modelle. Frankreich erlaubt mehrere Staatsangehörigkeiten. Italien lässt seit 1992 grundsätzlich zu, dass der Erwerb einer fremden Staatsangehörigkeit nicht automatisch zum Verlust der italienischen führt. Die Schweiz erlaubt das Doppelbürgerrecht seit 1992 ohne Einschränkungen.
Quellen: Frankreich: mehrere Nationalitäten, Italien: Citizenship, Schweiz: Doppelbürger
Aber genau das zeigt:
Es gibt nicht den einen angeblich modernen Weg.
Es gibt politische Entscheidungen.
Es gibt Staaten, die Mehrstaatigkeit erlauben.
Und es gibt Staaten, die sagen:
Staatsbürgerschaft braucht Klarheit.
Japan: Entscheidung statt Dauer-Doppelpass
Japan verlangt von Menschen mit mehreren Staatsangehörigkeiten grundsätzlich eine Entscheidung für eine Staatsangehörigkeit. Mehrstaatigkeit soll dort nicht einfach dauerhaft als Normalzustand bestehen bleiben.
Quelle: Japanisches Justizministerium: Choice of Nationality
China: kein Doppelpass-Prinzip
China ist noch strikter. Die Volksrepublik China erkennt doppelte Staatsangehörigkeit ausdrücklich nicht an.
Quelle: Nationality Law of the People’s Republic of China
USA: Doppelstaatigkeit ja — aber mit einem anderen Staatsverständnis
Die USA gehen einen anderen Weg. Sie akzeptieren doppelte Staatsangehörigkeit praktisch. Aber selbst das US-Außenministerium sagt klar: Doppelstaatler schulden beiden Staaten Loyalität, müssen die Gesetze beider Staaten beachten und können in Pflichtenkonflikte geraten.
Quelle: U.S. Department of State: Dual Nationality
Und noch etwas muss man offen sagen: Die Vereinigten Staaten haben insgesamt ein anderes Staats- und Sicherheitsverständnis als Deutschland. Die Justiz ist in vielen Bereichen deutlich härter. Der Staat erwartet von seinen Bürgern mehr Eigenverantwortung. Und das amerikanische Denken ist stärker davon geprägt, dass der Bürger nicht nur auf den Staat wartet, sondern selbst Verantwortung für seine Sicherheit und seine Freiheit trägt.
Das kann man nicht eins zu eins auf Deutschland übertragen.
Aber man kann daraus lernen:
Wer Rechte gibt, muss auch Pflichten einfordern.
Deutschland darf also nicht so tun, als sei der Doppelpass als Normalfall alternativlos.
Er ist es nicht.
Die Frage lautet nicht, ob Menschen mit ausländischen Wurzeln anständige Bürger sein können.
Natürlich können sie das.
Viele sind es.
Die Frage lautet:
Welche Ordnung will dieser Staat?
Will Deutschland eine Staatsbürgerschaft, die ein klares Bekenntnis ist?
Oder will Deutschland einen Pass, der immer mehr zum Zusatzdokument wird?
Ich sage:
Ein Staat braucht Klarheit.
Ein Pass darf kein Sammelstück sein.
Ein Pass darf kein Vorteilsausweis sein.
Ein Pass muss ein Bekenntnis sein.
Der WOLA-Vorschlag: Bis 2030 klare Staatsangehörigkeit schaffen
Kritik allein reicht nicht.
Wenn der Doppelpass politisch falsch ist, dann muss man auch sagen, wie man diese Entwicklung korrigieren kann.
Mein Vorschlag ist klar:
Deutschland muss bis spätestens Ende 2030 wieder Klarheit in der Staatsangehörigkeit schaffen.
Nicht über Nacht.
Nicht chaotisch.
Nicht willkürlich.
Nicht gegen Menschen.
Sondern geordnet, gesetzlich sauber und mit einer fairen Übergangsfrist.
1. Für neue Einbürgerungen: Ein Pass als Grundsatz
Für neue Einbürgerungen muss wieder der Grundsatz gelten:
Wer Deutscher werden will, entscheidet sich grundsätzlich für Deutschland.
Das bedeutet:
Die deutsche Staatsbürgerschaft wird nicht automatisch zusätzlich vergeben.
Sie wird nicht als zweiter Vorteilspass ausgegeben.
Sie wird nicht zum politischen Geschenk.
Wer Deutscher werden will, soll seine bisherige Staatsangehörigkeit grundsätzlich aufgeben.
Ausnahmen kann es geben — aber nicht als Regel, sondern nur in klar begründeten Sonderfällen.
Deutschland muss zurück zu einem einfachen Prinzip:
Ein Pass.
Ein klares Bekenntnis.
Eine volle Verantwortung.
2. Für bestehende Doppelstaatler: Übergangsfrist mit Entscheidung
Für Menschen, die bereits zwei Staatsangehörigkeiten besitzen, braucht es eine Übergangsregelung.
Nicht mit der Brechstange.
Aber mit Klarheit.
Wer neben der deutschen Staatsangehörigkeit noch eine weitere Staatsangehörigkeit besitzt, soll eine gesetzlich geregelte Übergangsfrist erhalten.
Ein Jahr.
Maximal zwei Jahre.
In dieser Zeit kann jeder frei entscheiden:
Will ich deutscher Staatsbürger bleiben?
Oder will ich die andere Staatsangehörigkeit behalten?
Diese Entscheidung darf niemandem abgenommen werden.
Aber sie muss getroffen werden.
Denn Staatsbürgerschaft ist keine beliebige Sammlung von Pässen.
Sie ist Zugehörigkeit.
Wer sich für Deutschland entscheidet, behält den deutschen Pass und gibt die andere Staatsangehörigkeit auf, soweit das rechtlich möglich ist.
Wer sich für die andere Staatsangehörigkeit entscheidet, bleibt als ausländischer Staatsbürger mit rechtmäßigem Aufenthaltsstatus in Deutschland, sofern die aufenthaltsrechtlichen Voraussetzungen erfüllt sind.
Auch das ist kein Angriff.
Das ist Klarheit.
Niemand verliert seine Würde.
Niemand verliert seine Herkunft.
Niemand wird pauschal verurteilt.
Aber der Staat stellt wieder eine einfache Frage:
Zu welchem Staat gehörst du staatsrechtlich?
3. Wer Migrant bleiben will, kann Migrant bleiben
Auch das muss man klar sagen:
Niemand wird gezwungen, Deutscher zu werden.
Wer dauerhaft in Deutschland leben will, aber seine bisherige Staatsangehörigkeit behalten möchte, kann das tun, wenn die aufenthaltsrechtlichen Voraussetzungen erfüllt sind.
Dann ist dieser Mensch eben kein deutscher Staatsbürger, sondern ausländischer Staatsbürger mit Aufenthaltsrecht.
Das ist nichts Ehrenrühriges.
Das ist eine klare rechtliche Zuordnung.
Nicht jeder Mensch, der in Deutschland lebt, muss Deutscher werden.
Aber wer Deutscher werden will, muss sich auch eindeutig zu Deutschland bekennen.
4. Staatsbürgerschaft und Sozialstaat sauber trennen
Auch der Sozialstaat muss wieder klarer geordnet werden.
Es kann nicht sein, dass Staatsbürgerschaft, Aufenthaltsrecht, Einwanderung, Arbeit, Sozialleistungen und Integration politisch ständig vermischt werden.
Ein deutscher Staatsbürger ist voll Teil dieses Staates.
Ein ausländischer Staatsbürger mit Aufenthaltsrecht hat Rechte, aber auch klare Pflichten nach seinem Aufenthaltsstatus.
Ein neu zugewanderter Mensch kann nicht automatisch so behandelt werden, als hätte er bereits dieselbe staatsbürgerliche Verantwortung, dieselbe Bindung und dieselbe Lebensleistung in diesem Land erbracht wie ein Bürger dieses Staates.
Das bedeutet nicht, Menschen in Not fallen zu lassen.
Aber es bedeutet:
Der Sozialstaat muss unterscheiden dürfen.
Zwischen Staatsbürgern.
Zwischen dauerhaft rechtmäßig integrierten Menschen.
Zwischen neu Zugewanderten.
Zwischen Schutzsuchenden.
Zwischen Arbeitsmigration.
Zwischen Menschen, die beitragen.
Und Menschen, die dauerhaft nur Leistungen beziehen.
Das ist keine Menschenfeindlichkeit.
Das ist Ordnungspolitik.
Wer in Deutschland leben will, muss seinen Lebensunterhalt grundsätzlich selbst sichern, arbeiten, die Sprache lernen, Regeln achten und sich integrieren.
Wer Hilfe braucht, soll Hilfe bekommen.
Aber Hilfe darf nicht zum dauerhaften Ersatz für Integration, Arbeit und Eigenverantwortung werden.
5. Keine zweite Klasse Mensch — aber klare Rechtsstellung
Es geht nicht darum, Menschen zu Menschen zweiter Klasse zu machen.
Das wäre falsch.
Es geht darum, rechtliche Unterschiede wieder offen auszusprechen.
Ein Staatsbürger ist Staatsbürger.
Ein Ausländer mit Aufenthaltsrecht ist Ausländer mit Aufenthaltsrecht.
Ein Schutzsuchender ist Schutzsuchender.
Ein Arbeitsmigrant ist Arbeitsmigrant.
Ein Eingebürgerter ist Bürger dieses Landes — wenn er sich klar zu diesem Land bekennt.
Diese Begriffe darf man nicht aus Angst vor Empörung verwischen.
Denn wenn alles gleich klingt, obwohl es rechtlich und politisch nicht gleich ist, verliert der Staat seine Klarheit.
Und genau diese Klarheit braucht Deutschland zurück.
6. Bis Ende 2030: Staatsangehörigkeit neu ordnen
Deutschland braucht einen klaren Zeitplan.
Bis Ende 2030 muss die Staatsangehörigkeitspolitik neu geordnet sein.
Dazu gehören:
Erstens: Rückkehr zum Grundsatz der Vermeidung von Mehrstaatigkeit.
Zweitens: Übergangsregelung für bestehende Doppelstaatler mit Entscheidungsfrist.
Drittens: klare Ausnahmen nur in besonderen Härtefällen.
Viertens: strengere Anforderungen an Sprache, Rechtsstaatstreue, Arbeit, Integration und Bekenntnis.
Fünftens: klare Trennung zwischen Staatsbürgerschaft, Aufenthaltsrecht und Sozialleistungsansprüchen.
Sechstens: konsequente Prüfung bei schweren Straftaten, Extremismus, Eintritt in fremde Streitkräfte oder Beteiligung an bewaffneten Konflikten im Ausland.
Das deutsche Recht kennt solche Loyalitätsfragen bereits. Der Verlust der deutschen Staatsangehörigkeit ist unter engen gesetzlichen Voraussetzungen etwa bei bestimmten Handlungen im Zusammenhang mit fremden Streitkräften oder terroristischen Kampfhandlungen geregelt, sofern keine Staatenlosigkeit entsteht.
Das zeigt:
Der Gedanke ist nicht abwegig.
Der Staat muss nur den Mut haben, ihn grundsätzlich zu Ende zu denken.
Wer Deutscher werden will, muss sich entscheiden
Ein Land braucht Klarheit.
Ein Staat braucht Loyalität.
Ein Rechtsstaat braucht Respekt.
Eine Demokratie braucht Bürger, die zu ihr stehen.
Deshalb muss gelten:
Ein Pass.
Ein klares Bekenntnis.
Eine volle Verantwortung.
Wer die deutsche Staatsbürgerschaft will, muss sich grundsätzlich für Deutschland entscheiden.
Nicht halb.
Nicht nebenbei.
Nicht nur dann, wenn es Vorteile bringt.
Nicht als zweites Sicherheitsnetz.
Sondern klar.
Deutschland muss wieder unterscheiden zwischen Aufenthalt, Integration, Einbürgerung und echter Zugehörigkeit.
Wer hier lebt, hat Rechte.
Aber wer deutscher Staatsbürger werden will, übernimmt mehr als Rechte.
Er übernimmt Verantwortung für dieses Land.
Stade darf nicht einfach wieder verschwinden
Stade darf nicht politisch ausgeschlachtet werden.
Aber Stade darf auch nicht einfach wieder in der nächsten Nachrichtensendung verschwinden.
Sechs Menschen sind tot.
Und wieder werden die üblichen Sätze kommen:
Wir sind erschüttert.
Wir sind betroffen.
Wir müssen aufklären.
Wir dürfen nicht pauschalisieren.
Wir müssen zusammenstehen.
Ja.
Aber das reicht nicht mehr.
Deutschland muss endlich die Fragen stellen, vor denen sich die Politik seit Jahren drückt.
Was bedeutet Integration wirklich?
Was bedeutet Staatsbürgerschaft wirklich?
Was bedeutet Rechtsstaatstreue wirklich?
Was bedeutet Bekenntnis zu Deutschland wirklich?
Und warum tut die Politik so, als könne man all diese Fragen mit warmen Worten, Integrationsromantik und immer neuen Zugeständnissen lösen?
Das funktioniert nicht.
Die Menschen spüren längst, dass etwas aus dem Gleichgewicht geraten ist.
Sie spüren, dass der Staat bei vielen Grundsatzfragen nicht mehr klar genug ist.
Sie spüren, dass Rechte oft schneller verteilt werden als Pflichten eingefordert werden.
Sie spüren, dass Kritik sofort moralisch eingeordnet wird, anstatt sachlich beantwortet zu werden.
Sie spüren, dass Probleme kleingeredet werden, bis sie nicht mehr kleinzureden sind.
Und genau das zerstört Vertrauen.
Nicht gegen Herkunft. Gegen politische Feigheit.
Diese Position ist nicht gegen Menschen mit Migrationsgeschichte gerichtet.
Viele Menschen mit ausländischen Wurzeln leben hier anständig, arbeiten hart, zahlen Steuern, erziehen ihre Kinder, achten unsere Regeln und sind längst Teil dieses Landes.
Um diese Menschen geht es nicht.
Es geht um eine Politik, die nicht mehr klar genug unterscheidet.
Zwischen Integration und Integrationsverweigerung.
Zwischen Aufenthalt und Staatsbürgerschaft.
Zwischen Mitlaufen und Bekenntnis.
Zwischen Herkunft und Verhalten.
Zwischen Recht und falscher Nachsicht.
Zwischen Friedenszeit und Ernstfall.
Deutschland braucht keinen Schmusekurs mit politischen Fehlern.
Deutschland braucht Klarheit.
Klarheit gegenüber denen, die hier leben wollen.
Klarheit gegenüber denen, die Deutscher werden wollen.
Klarheit gegenüber denen, die unsere Regeln achten.
Und Klarheit gegenüber denen, die sie verachten.
Schluss: Ein Staat braucht ein klares Bekenntnis
Stade ist der Anlass.
Die Staatsbürgerschaft ist die Grundsatzfrage.
Und diese Frage wird wichtiger denn je:
Was ist ein deutscher Pass noch wert, wenn er nicht mehr mit einem klaren Bekenntnis verbunden ist?
Ich bin nicht gegen Einbürgerung.
Ich bin gegen Einbürgerung ohne klares Bekenntnis.
Ich bin nicht gegen Menschen mit ausländischen Wurzeln.
Ich bin gegen eine Politik, die Zugehörigkeit, Verantwortung und Loyalität verwässert.
Deutschland braucht keine Pass-Sammler.
Deutschland braucht Bürger, die zu diesem Land stehen.
Ein Pass.
Ein klares Bekenntnis.
Eine volle Verantwortung.
Quellen und weiterführende Links
WOLA.blog – Rubrik Politik & Klartext
Politik & Klartext
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Wir haben unsere Kinder zu Lämmern erzogen – und Wölfe in unser Land gelassen
RND – Schüsse in Stade
Sechs Tote nach Schüssen in Stade – was wir wissen und was nicht
Bundesinnenministerium – Geburt in Deutschland
Erwerb der deutschen Staatsangehörigkeit durch Geburt in Deutschland
Bundesregierung – Modernisierung des Staatsangehörigkeitsrechts
Neues Staatsangehörigkeitsrecht
Grundgesetz Artikel 16
Schutz der deutschen Staatsangehörigkeit
Staatsangehörigkeitsgesetz § 28
Verlust bei Eintritt in fremde Streitkräfte / terroristische Kampfhandlungen
Grundgesetz Artikel 12a
Dienstpflichten
Wehrpflichtgesetz § 1
Allgemeine Wehrpflicht
Soldatengesetz § 9
Diensteid und feierliches Gelöbnis
EU-Bürgerschaft
EUR-Lex: EU citizenship
Österreich – Dual citizenship
Österreich.gv.at
Niederlande – Renouncing your nationality
IND Niederlande
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Japan – Choice of Nationality
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Nationality Law of the People’s Republic of China
USA – Dual Nationality
U.S. Department of State